Eun Nim Ro (*1946)
Eun Nim Ro wurde 1946 in Korea geboren und kam 1970, im Alter von 24 Jahren, nach Deutschland. Sie studierte sechs Jahre lang Malerei an der Hamburger Kunsthochschule. In Hamburg hatte sie auch 1979 ihre erste Einzelausstellung. Seit 1990 lehrt die Künstlerin als Professorin in Hamburg und feiert mit ihren Ausstellung international, von Berlin über New York bis Yokohama, große Erfolge.
In ihren Arbeiten gelingt Eun Nim Ro die Symbiose zweier exemplarisch unterschiedlicher Kulturen – Ost und West. Dies zeigt die breite Rezeption ihrer Bildschöpfungen hier wie dort. Die imposante Liste von Einzelausstellungen der letzten zwei Jahrzehnte umfasst ja nicht nur zahlreiche Ausstellungen in Deutschland sowie Präsentationen in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz, Holland, Norwegen, Österreich und Belgien, sondern auch an der pazifischen Küste der USA und natürlich immer wieder in Korea.
Woran liegt es, dass ihre Kunst in beiden Kulturkreisen verstanden, akzeptiert und geschätzt wird? Was bewirkt diesen Erfolg einer, wie man heute wohl sagen darf, deutsch-koreanischen Künstlerin? Das kalligraphische Element ihrer Formensprache, der freche Witz vieler Blätter, die lakonische Zeichenhaftigkeit schwer deutbarer Zwitterwesen, die auf rätselvoller Weise pflanzliche, tierische und menschliche Züge in sich zu vereinen scheinen, oder ein heiteres Spiel der Phantasie? Jeder Betrachter dieser Arbeiten, für die oft Papier des Maulbeerbaums verwendet wurde, wird sich sagen, dass sie von jemandem geschaffen wurden, der mit sich selber in Übereinstimmung ist. Wobei im Falle des Künstlers Glück ja beileibe nicht spannungslose Behaglichkeit, sondern gerade umgekehrt innere Unruhe, Hingespanntsein auf das nächste Werk bedeutet. Eun Nim Ro hat das selbst einmal so ausgesprochen:
Bin jetzt wieder auf meiner Insel.
In meinem Atelier herrscht
die ersehnte Ruhe. Allmählich
fange ich an zu arbeiten. Ich zwinge nichts.
Ich tue so als wäre ich ein Angler:
Der wirft seine Angel ins Meer und
Wartet bis ein Fisch anbeißt.
Doch da ist ein großer Unterschied
zwischen mir und dem Fischer am Meer:
Er sitzt ruhig am Wasser,
aber ich bin voller Unruhe, wie ein großes
hungriges Tier, und wälze
mein Papier hin und her.
Denn ich versuche etwas zu fangen,
und weiß doch nicht, was es zu fangen gibt
und was sich von mir einfangen lässt.
(Eun Nim Ro)


















